VEREINTE NATIONEN, Nairobi/HARARE, Simbabwe – „Jeder Mensch verdient es, gehört zu werden, um mit der Heilung zu beginnen, wenn er oder sie irgendeine Form von Gewalt erfährt“, sagte Thulisiwe*, die bei einem mobilen Hilfsdienst gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Simbabwe arbeitet.
Als Dienstleisterin widmet Thulisiwe den Mitgliedern der Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen-, Transgender-, Intersexuellen- und Queer-Community (LGBTIQ+) besondere Aufmerksamkeit. „In der LGBTIQ+-Community herrscht eine reale Angst davor, identifiziert und dann schikaniert zu werden – insbesondere unter jenen, die in ländlichen Gebieten mit tief verwurzelter und starrer Intoleranz leben“, erklärte sie.
Das mobile Zentrum, in dem Thulisiwe arbeitet, wird von UNFPA unterstützt, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, der UN-Organisation für sexuelle und reproduktive Gesundheit. Es ist eines von acht UNFPA-Zentren im Land, die darauf abzielen, geschlechtsspezifische Gewalt zu verhindern und zu bekämpfen.
Diese Art von Programmen bietet meist Unterstützung für Frauen und Mädchen – dennoch sind auch LGBTIQ+-Personen extrem häufig von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Stigmatisierung, unzureichend geschultes Personal und veraltete Protokolle können Betroffene aus dieser Community davon abhalten, überhaupt Hilfe zu suchen, und ihre Erfahrungen noch verschlimmern, wenn sie Gewalt melden.
„Das beeinflusst, ob, wann und wie sie Zugang zu essenziellen Hilfsangeboten erhalten“, sagte Thulisiwe. „Ich habe erlebt, wie sich dieser Alltag in verspäteten Meldungen, zurückhaltenden Angaben und deutlichem Unbehagen während der Beratung zeigt.“
Rechtebasierte, betroffenenorientierte Versorgung
In vielen Ländern sind gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisiert, nicht-binäre Geschlechtsidentitäten werden nicht anerkannt und Antidiskriminierungsmaßnahmen wurden noch nicht umgesetzt. Gewalt gegen LGBTIQ+-Personen wird mitunter sogar geduldet oder gefördert – von sogenannter „korrigierender Vergewaltigung“ bis hin zu unfreiwilligen psychiatrischen Behandlungen. Und da sich das Leben der Menschen zunehmend ins Internet verlagert, sind LGBTIQ+-Personen auch spezifischen Risiken durch technologiegestützte geschlechtsspezifische Gewalt ausgesetzt, wie etwa dem erzwungenen Outing.
Durch das Programm Women at the Centre verbessert UNFPA die Qualität der Fallbearbeitung für alle Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt. Akkreditierte Schulungen und kontinuierliche berufliche Weiterbildung helfen den Fallbearbeiterinnen und Fallbearbeitern, internationale Standards zu erfüllen. Ein zentraler Bestandteil dieser Mission ist es, die Sicherheit und Behandlung von Überlebenden aus marginalisierten Gemeinschaften zu verbessern.
Das derzeit in vier Ländern umgesetzte Programm Women at the Centre vermittelt Fachkräften Fähigkeiten wie respektvolle Kommunikation, informierte Einwilligung, Vertraulichkeitsanforderungen, Risikobewertung und psychologische Erste Hilfe. Um die Würde von Menschen in all ihrer Vielfalt zu wahren, ermutigen die Schulungsmaterialien die Dienstleistenden, die Identität, Präferenzen und Autonomie der Betroffenen zu respektieren.
Bis heute wurden mehr als 400 Fallbearbeiter und -bearbeiterinnen in diesen Ansätzen geschult und mehr als 10.000 Menschen geholfen, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind. Das macht einen echten Unterschied in der Versorgung von LGBTIQ+-Überlebenden, so Thulisiwe.
„Ich habe gelernt, wie wichtig ein betroffenenorientierter, auf Menschenrechten basierender Ansatz bei der Erbringung von Dienstleistungen ist“, sagte sie. „Ich bin froh, dass ich der Wandel sein kann, der in meiner Gemeinschaft gebraucht wird.“
Der Weg zum Fortschritt
Women at the Centre entwickelt derzeit ein neues Curriculum, das Hand in Hand mit denjenigen konzipiert wird, die vor den größten Hürden beim Zugang zu Hilfsangeboten stehen. Als Teil dieses Prozesses hat das Programm kürzlich weltweite Konsultationen mit LGBTIQ+-Gemeinschaften und anderen Betroffenen abgeschlossen.
„Wir wollten nach den Werten handeln, die dem Programm Women at the Centre zugrunde liegen, indem wir marginalisierte Personen mit Erfahrung in Programmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt identifiziert und entschädigt haben, damit sie ihr Erfahrungswissen in die Gestaltung und die Inhalte des Curriculums einbringen können“, erklärte Erin Gerber, die bei UNFPA für das Programm Women at the Centre zuständige Spezialistin.
Die Mitglieder der LGBTIQ+-Gemeinschaften wiesen nicht nur auf spezifische Probleme hin, sondern schlugen auch Lösungen vor. Sie betonten beispielsweise das Risiko, dass die Preisgabe von Details über ihre Identität zu Festnahmen oder anderen rechtlichen Konsequenzen führen könnte. Dies führte zu Empfehlungen für sichere Dokumentationspraktiken sowie für eine anonyme und aus der Ferne angebotene Dienstleistungserbringung.
Sie hoben auch die Vielfalt innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft hervor: Die Bedürfnisse von Transgender-Personen unterscheiden sich häufig von denen intersexueller Menschen, und die Bedürfnisse von LGBTIQ+-Personen mit Behinderungen weichen oft von denen indigener LGBTIQ+-Personen ab. Als Reaktion darauf enthält das Curriculum Optionen, um Dienstleistungen gemeinsam mit lokalen LGBTIQ+-Partnern und Partnerinnen zu gestalten.
„Die gemeinsame Entwicklung des Curriculums bedeutete, diese Gemeinschaften nicht als Forschungsobjekte oder als bloße Empfänger von Rettungsmaßnahmen zu betrachten, sondern sie als Menschen und somit als Produzenten von Wissen anzuerkennen“, erklärte María de las Nieves Puglia, die als Beraterin für das Curriculum viele der Konsultationen organisierte.
Das Engagement beschränkte sich nicht darauf, Anregungen entgegenzunehmen, sagte Frau Puglia. Die Gemeinschaften haben das Curriculum, das sich nun in der finalen Entwicklungsphase befindet, auch aktiv überprüft und überarbeitet.
*Name zum Schutz der Privatsphäre und zur Sicherheit geändert
