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Welche Innovationen haben den größten Einfluss auf die Bevölkerung, die Menschenrechte und die globale Entwicklung gehabt? Technologien, die Wahlmöglichkeiten eröffnen

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Welche Innovationen haben den größten Einfluss auf die Bevölkerung, die Menschenrechte und die globale Entwicklung gehabt? Technologien, die Wahlmöglichkeiten eröffnen

calendar_today 16 April 2026

Rights and choices empower all generations.
Credit: © Nanna Heitmann/Magnum Photos for UNFPA

BIHAR, Indien – Diese Woche kommen führende Persönlichkeiten aus aller Welt im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York zu einer jährlichen Tagung zusammen, um die Fortschritte bei der Förderung der Menschenrechte und der Entwicklung für Menschen weltweit zu erörtern. 

In diesem Jahr widmet sich das Treffen insbesondere der Frage, wie Technologie und Innovation diese Ziele voranbringen können. Informationstechnologien ermöglichen beispielsweise freie Meinungsäußerung und standortunabhängiges Arbeiten und sorgen so für einen sofortigen Austausch von Ideen und Arbeitskräften über Grenzen hinweg. Fortschritte in Diagnose und Behandlung haben die menschliche Gesundheit verändert, die Lebenserwartung verlängert und das menschliche Potenzial erweitert.

Doch von allen Technologien, die sich auf Menschenrechte, Entwicklung und Bevölkerung auswirken, ist eine der folgenreichsten gar nicht neu: die Familienplanung. 

Familienplanung wurde 1969 als Menschenrecht anerkannt und auf der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung 1994 als wesentlich für die nationale Entwicklung und das Wohlergehen der Menschen kodifiziert. Angesichts der weltweiten Rückschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter lohnt es sich heute, über die Bedeutung der Familienplanung als Technologie, als Mittel zur Verwirklichung von Rechten und als Recht an sich nachzudenken.

Die Geschichte der Familienplanung über drei Generationen hinweg

Saraswati Devi aus Bihar in Indien wurde mit 16 Jahren verheiratet und hatte mit 30 bereits fünf Kinder. Für Frauen – und Mädchen – in ihrem Dorf war das in den 1970er Jahren nichts Ungewöhnliches. „Damals wussten wir nichts über Verhütungsmittel. Wir wussten nicht, wie man Schwangerschaften hinauszögern oder verhindern kann, und wir hatten zu viel Angst, danach zu fragen.“

Tatsächlich galten große Familien als Segen für die Finanzen und die Gesundheit, erklärte sie gegenüber UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen. „Meine Schwiegermutter sagte immer: ‚Je mehr Kinder du hast, desto mehr Hände gibt es, die auf den Feldern arbeiten.‘“

Saraswati spürte den Druck von Freunden und Familie, ihre Familie weiter zu vergrößern. „Als ich keine Kinder mehr haben wollte, bestand meine Schwiegermutter darauf, dass ich weitermache, und ich konnte ihr nicht widersprechen.“ 

Wenn sie alles noch einmal machen könnte, hätte sie weniger Kinder, sagte sie. „Ich wünschte mir Töchter, aber ich bekam nur Söhne. Es ist gut, beides zu haben. Ich liebe meine Kinder, aber sie sind jetzt alle mit ihrem eigenen Leben beschäftigt.“

Einige Dinge – aber nicht alles – begannen sich zu ändern, als es um die nächste Generation ging.

Informationen zur Familienplanung 

Saraswatis Schwiegertochter Anita Devi heiratete Ende der 1990er Jahre im Alter von 18 Jahren. Als Gesundheitspflegende ihr Dorf besuchten, wurden ihr – im Gegensatz zu ihrer Schwiegermutter – Familienplanungsdienste und Informationen zur Empfängnisverhütung angeboten. 

„Ich wollte ursprünglich nur ein oder zwei Kinder, nur ein Mädchen und einen Jungen“, sagte sie. „Wir sind arm, und eine große Familie zu ernähren ist schwierig.“ 

Doch selbst da Verhütungsmittel zur Verfügung standen, lag die Entscheidung nicht ganz in Anitas Händen. „Über Familienplanung zu sprechen, war in meiner Familie nicht einfach, und mein Mann war gegen Verhütung.“ 

Unter dem Druck, einen Sohn zur Welt zu bringen, wurde sie erneut schwanger. Als sie ihre vierte Tochter bekam, wollte sie eigentlich nicht mehr weitermachen. Doch ihre Entscheidungen hatten damals nicht so viel Gewicht. 

„Mein Mann und meine Schwiegermutter wollten mehr Kinder, vor allem einen Sohn. Ich fühlte mich erschöpft, hatte aber kaum ein Mitspracherecht“, sagte sie.

Letztendlich bekam sie sechs Kinder, und sie liebt sie sehr. 

„Trotz unserer Schwierigkeiten bin ich glücklich mit meiner Familie“, sagte Anita. „Alle meine Kinder haben eine gewisse Ausbildung erhalten. Ich teile meine Zeit zwischen der Arbeit im Haushalt und der Unterstützung meines Mannes auf dem Bauernhof auf.“

Doch für ihre eigenen Töchter sollte es anders kommen. Für sie würde Familienplanung mit geschlechtergerechteren Normen einhergehen – ein Rezept für Wandel.

Planung für ein besseres Leben

Anitas Tochter Pooja Kumari schloss ihr Studium ab, bevor sie mit 22 heiratete und mit 23 ihr erstes Kind bekam. In den folgenden drei Jahren nutzte sie Verhütungsmittel und beschloss im Alter von 26 Jahren, ein zweites Kind zu bekommen.

Pooja lernte ihre reproduktiven Rechte und ihre Gesundheit durch Raatri Chaupals kennen, nächtliche Gemeindeversammlungen, bei denen sich die Dorfbewohnenden treffen, um von lokalen Gesundheitshelfern - und helferinnen über verschiedene Themen informiert zu werden. Diese Treffen stärkten ihr Selbstvertrauen, mit ihrem Mann über die Anzahl und den Zeitpunkt von Schwangerschaften zu sprechen. 

„Mein Mann und ich haben beschlossen, nur zwei Kinder zu bekommen“, sagte Pooja. „Wir wollen sie gut erziehen, ihnen eine gute Ausbildung ermöglichen und unserer Familie eine sichere Zukunft sichern.“

Pooja gehört zu einer neuen Generation indischer Frauen, die heute nicht nur die Mittel, sondern auch die Macht haben, ihre Familienplanungsziele zu verwirklichen: „Ich möchte meinen Kindern ein besseres Leben bieten und gleichzeitig meiner Gesundheit Vorrang einräumen. Das kann ich nicht, wenn ich zu viele Kinder habe.“

Eine Zukunft voller Rechte und Wahlmöglichkeiten

Als Saraswati 1960 geboren wurde, bekamen Frauen in Indien im Durchschnitt etwa sechs Kinder. Damals besuchte weniger als jedes zweite Mädchen die Grundschule. Heute bekommen Frauen in Indien durchschnittlich etwa zwei Kinder, und mehr als neun von zehn Mädchen schließen die Grundschule ab und besuchen anschließend eine weiterführende Schule. 

Immer mehr Frauen in Indien sind Ärztinnen, Anwältinnen, Parlamentarierinnen und Ingenieurinnen, die neue Technologien – einschließlich Familienplanung – entwickeln, um die nächste Generation zu stärken.

Und sie tun dies nicht allein. Auch Männer profitieren von Familienplanung und der Stärkung der Frauen, wie Poojas Geschichte zeigt. „Mein Mann unterstützt meine Ambitionen, und gemeinsam planen wir eine stabile Zukunft“, erzählte sie UNFPA.

Eine Version dieser Geschichte wurde ursprünglich im Weltbevölkerungsbericht 2025 mit dem Titel „The Real Fertility Crisis“ veröffentlicht. Eine deutsche gekürzte Übersetzung ist auf der Seite der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung zu finden.