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Hebammen in Uganda verstärken ihre Maßnahmen gegen Nachblutungen, eine der Hauptursachen für Müttersterblichkeit

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Hebammen in Uganda verstärken ihre Maßnahmen gegen Nachblutungen, eine der Hauptursachen für Müttersterblichkeit

calendar_today 09 Oktober 2025

Im Rahmen einer von UNFPA unterstützten Schulung in Kampala erlernen Hebammen und Geburtshelfer und -helferinnen aktuelle Methoden und Verfahren zur Erkennung und Behandlung von Nachblutungen nach der Geburt.
Im Rahmen einer von UNFPA unterstützten Schulung in Kampala erlernen Hebammen und Geburtshelfer und -helferinnen aktuelle Methoden und Verfahren zur Erkennung und Behandlung von Nachblutungen nach der Geburt. ©UNFPA Uganda

KAMPALA, Uganda – Auf der ständig hektischen und stressigen Geburtsstation des Kawempe National Referral Hospital, Ugandas größtem öffentlichen Geburtszentrum, vollzieht sich eine stille Revolution. Zwischen dem Piepen der Geräte und dem Schreien der Neugeborenen ist die perfekt abgestimmte Choreografie von Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen zu beobachten, die Müttern bei Nachblutungen das Leben retten.

Nachblutungen, also schwere Blutungen nach der Geburt, sind weltweit die häufigste Ursache für Müttersterblichkeit – dabei sind sie oft vollständig vermeidbar und, wenn sie auftreten, behandelbar. UNFPA arbeitet mit Gesundheitssystemen, Partnerinnen und Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass Gesundheitspersonal über die richtigen Hilfsmittel und Kenntnisse verfügt, um zu verhindern, dass diese Komplikation tödlich verläuft.

Hebamme Brenda Nakanwagi hat selbst erlebt, wie die richtigen Instrumente und Schulungen wirken. Sie hat sie selbst im Kawempe Hospital angewendet, wo jährlich über 20.000 Geburten stattfinden.

Erst kürzlich begleitete sie die 28-jährige Jalia Namusisi bei der Geburt. Doch kurz nach der Entbindung ihrer gesunden Tochter begann Frau Namusisi zu bluten.

Hebamme Nakanwagi bemerkte es sofort – der Blutverlust wurde auf einem kalibrierten Tuch aufgefangen, das vom Krankenhauspersonal zur Messung von Blutungen und zur Diagnose von Nachblutungen verwendet wird.

"In diesem Moment bleibt keine Zeit zum Nachdenken; jede Sekunde kostet Blut", sagte Nakanwagi.

A woman in pink holds her newborn baby. She is standing in front of a poster for Safe Birth Africa.
Eine Frau hält ihr Neugeborenes im Kawempe National Referral Hospital, wo Gesundheitspersonal in der Vorbeugung und Behandlung von Nachblutungen geschult wurde. © UNFPA Uganda.

Das Stationsteam wurde alarmiert und leitete umgehend die üblichen Maßnahmen ein: Uterusmassage, Gabe von Wehenmitteln zur Anregung der Wehen, Anwendung von Tranexamsäure zur Blutstillung und intravenöse Flüssigkeitszufuhr.

Innerhalb weniger Minuten war die Blutung gestoppt und Frau Namusisis Vitalfunktionen stabilisiert.

„Ich spürte die Panik des Personals, aber Brendas Stimme war ruhig“, erinnerte sich die junge Mutter, während sie ihr Baby im Arm hielt. „Sie erklärte mir immer wieder, was sie taten. Sie haben mir das Leben gerettet, indem sie auf das Schlimmste vorbereitet waren.“

Bereit zum Einsatz

Das Kawempe-Krankenhaus steht im Zentrum einer landesweiten Initiative, Hebammen, Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte mit den notwendigen Fähigkeiten auszustatten, um die dringendsten Notfälle im Zusammenhang mit einer Geburt zu bewältigen.

„Die Schulungen, die wir mit Unterstützung von UNFPA durchführen, formen engagierte Einzelpersonen zu einer eingespielten, lebensrettenden Einheit“, sagte Annette Kanyunyuzi, Präsidentin des Nationalen Geburtshilfeverbands von Uganda (NMAU). „Geburtshilfe ist das Herzstück der Müttergesundheit. Indem wir Geburtshilfepersonal in den Protokollen schulen, ersetzen wir Zögern durch automatisches, synchronisiertes Handeln. Dies ist die wirksamste Waffe gegen die Sterblichkeit durch postpartale Blutungen.“

Und die Schulungsbemühungen werden sich weiter verbessern.

Am 5. Oktober, dem ersten weltweit begangenen Tag gegen postpartale Blutungen, veröffentlichten UNFPA, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und weitere Partner und Partnerinnen den Kurs „Blutungen nach der Geburt“ für qualifiziertes Geburtspersonal wie Ärzte, Ärztinnen und Hebammen. Der Kurs wurde ins Leben gerufen, um die Umsetzung neuer globaler Leitlinien zur Diagnose und Behandlung von postpartalen Blutungen zu unterstützen.

Diese Materialien werden den Hunderttausenden von Gesundheitsfachkräften zugutekommen, die UNFPA jedes Jahr schult. Allein im letzten Jahr beispielsweise erreichten von UNFPA unterstützte Schulungen über 226.000 Hebammen und Geburtshilfepersonal.

Alle Kräfte mobilisieren, um Nachblutungen zu stoppen

Doch Schulungen allein reichen nicht aus. Es werden auch neue Medikamente benötigt.

Tranexamsäure und das hitzestabile Carbetocin sind beispielsweise Medikamente, die Blutungen vorbeugen und behandeln können, aber in Afrika noch nicht weit verbreitet sind. Die Kosten dieser Medikamente stellen für viele Gesundheitssysteme eine Hürde dar, obwohl sie erhebliche Vorteile bieten. Carbetocin beispielsweise benötigt keine Kühlkette – also keine durchgängige Kühlung während der Produktion und des Transports – und ist daher besonders in abgelegenen und ländlichen Gebieten mit begrenzter Infrastruktur und unzuverlässiger Stromversorgung nützlich.

Weitere Maßnahmen sind ebenfalls unerlässlich, um sicherzustellen, dass erschwingliche und qualitativ hochwertige Medikamente die Gesundheitsfachkräfte erreichen. Dazu gehören eine nachhaltige Finanzierung, aktualisierte nationale Listen unentbehrlicher Arzneimittel und Protokolle, die Harmonisierung der Vorschriften und regelmäßige nationale Beschaffung sowie gut koordinierte Einführungspläne für neue Produkte.

Glücklicherweise zeigen Partnerschaften zwischen Gesundheitsfachkräften, nationalen Gesundheitsbehörden und internationalen Organisationen wie UNFPA bereits positive Veränderungen.

Die Ausbildung von Gesundheitspersonal im Kawempe-Krankenhaus ist beispielsweise Teil gemeinsamer Bemühungen zwischen UNFPA, dem Gesundheitsministerium, der NMAU und der Europäischen Union.

Diese Zusammenarbeit ist Teil der Initiative „SafeBirth Africa“, einem von der EU finanzierten und von UNFPA unterstütztem Projekt, das von Unitaid und nationalen Gesundheitsbehörden in der Region umgesetzt wird. Ziel von „SafeBirth Africa“ ist es, den Zugang zu neuen lebensrettenden Maßnahmen und Produkten für die Müttergesundheit zu beschleunigen.

Ergänzt werden diese Bemühungen durch die Unterstützung des UNFPA-Fonds für Mütter- und Neugeborenengesundheit von Belgien, Dänemark, Deutschland, Luxemburg, Polen, Schweden, Takeda Pharmaceuticals und der World Diabetes Foundation.